Das Schlachthofviertel
Man sieht in der Schmeller- oder Ruppertstaße immer mehr Gerüste – Baugerüste. Graue und unscheinbare Wände verschwinden immer häufiger hinter den blauen Planen. Einige Zeit später fallen die Hüllen. Nun lacht die rausgeputzte, helle Fassade in die Straße des Viertels hinein.Das Quartier ist noch anders als die restlichen Stadtviertel wie das Glockenbachviertel oder der Gärtnerplatz. Das Schlachthofviertel liegt recht nah zur Münchner Innenstadt. Das Schlachthofviertel liegt im Südwesten der Münchner City. In etwa 20 Minuten ist man vom Marienplatz im Schlachthofviertel.
Der Geheimtipp Schlachthofviertel
Das Schlachthofviertel ist der Geheimtipp für all jene, die eine Wohnung suchen. Im Schlachthofviertel sind die Mieten häufig noch erschwinglich. Die Yuppies sind jedoch noch nicht daheim.
Ist es ein Refugium für diejenigen, die schlecht verdienen? Ist es ein Phänomen inmitten einer Stadt, die die höchsten Mieten in ganz Deutschland hat? Wenn man alles genau beobachtet, kann man selbst im dicht bebauten Viertel mit circa 5.000 Einwohnern sehen, was nur einige wenige hundert Meter weiter bereits vor ein bis zwei Jahrzehnten begonnen hat. Die Stadtplaner bezeichnen dies Aufwertung – die Alteingesessenen bezeichnen dies als Vertreibung.
Untypisches Schlachthofviertel
Das Schlachthofviertel ist nicht typisch – selbst für München. Es gibt kein vergleichbares Viertel in einer ähnlichen deutschen Stadt, welches vom gewöhnlichen Rausputz verschont gewesen wäre. In jeder großen Stadt befreite man die City-nahen Gebiete von der Industrie. Der Schlachthofviertel Münchens ist eine Ausnahme. Er soll inmitten der Wohnblöcke bleiben und ist eine Ausnahmestellung. Allerdings hat man hier etliche Belastungen – sei es vom Verkehr oder Geruch.
Die Entstehungsgeschichte
Das Leben und Wohnen im Schlachthofviertel ist sehr eng mit dem Vieh- und Schlachthof sowie der Großmarkthalle verbunden. Zwischen 1878 und 1912 entstanden die Anlagen an dem neuen Südbahnhof. Dort arbeiteten zahlreiche Bewohner des Stadtviertels. Es erfolgte eine Ansiedlung von vielen kleinen Zulieferbetriebe – von Messerschleifern bis hin zu den Gewürzhändlern.
Die Stadt in der Stadt
Selbst in den 70er Jahren war dieses heutige Münchner Stadtviertel eine eigene Stadt in der Großstadt. Morgens um fünf Uhr erwachte das Leben. Zu dieser Zeit öffneten die Wirtshäuser. Sie versorgten die Viehtreiber aus der umliegenden Gegend mit einem deftigen Essen. In der Vergangenheit war das Wirtshaus in dem Schlachthof eine Viehbörse. Über dem Schlachthofviertel lag etwas Verruchtes. Entweder man liebte das Viertel – oder man mied dieses Viertel.
Die Spekulationswelle in den 80er Jahren
Die erste Spekulationswelle in den 80er Jahren drohte das Viertel zu erfassen. München versuchte mit der Erhaltungssatzung dieser Spekulationswelle entgegen zu treten. Dadurch sollte die gestiegene Bevölkerungsstruktur gerettet werden. Seit dieser Zeit ist die Luxusmodernisierung kein Gesprächsthema mehr.
Wunderwaffe gegen allzu teure Mieten
Gibt es eine Wunderwaffe gegen die überteuerten Mieten? Laut dem städtischen Planungsreferat gibt es dies nicht. Es ist höchstens eine bescheidene Bremse gegen die viel zu schnelle Entwicklung. Mehr wäre es nicht.
Das Resultat
Das Resultat ist womöglich früher oder später das Gleiche. Eine reguläre Sanierung – selbst ohne Swimmingpool oder goldene Wasserhähne – ist sehr teuer. Die Mieten können nämlich hier sehr leicht auf das Zweifache ansteigen. Wer selbst ein Gerüst in München leihen möchte, kann sich dazu im Internet informieren.
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